Außenstelle des Kinderschutzdienstes

Kinder brauchen Schutz

Treffen am neuen Standort des Caritas-Kinderschutzdienstes: (v. l) Kreisbeigeordnete Bianca Staßen, Dekan Frank Aschenberger, Leiterin Marlen Bauer und Caritas-Mitarbeiter Olaf von Knobelsdorff. 

Die Außenstelle des Kinderschutzdienstes des Caritas-Zentrums Speyer in Limburgerhof ist schon Anfang des Jahres umgezogen. Jetzt wurden die neuen Räume im Obergeschoss des Pfarrheims der katholischen Kirchengemeinde vorgestellt.

Speyer. Beim Kinderschutzdienst der Caritas bekommen Kinder und Jugendliche, aber auch ihre Eltern und Verwandten oder andere Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, schnelle, unbürokratische Hilfe. Die Kinderschutzdienste sind Ansprechpartner, wenn der Verdacht besteht, dass Kinder oder Jugendliche sexueller, psychischer oder physischer Gewalt ausgesetzt sein könnten, erklärt Marlen Bauer, eine der beiden Leiterinnen des Caritas-Zentrums Speyer, das für das Angebot verantwortlich ist.

Das kann der Lehrer oder die Erzieherin sein, die feststellen, dass sich das Kind auffällig verhält oder ungewöhnliche blaue Flecken hat. Aber auch der Nachbar, der mitbekommt, dass Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder sichtbar überfordert sind, kann sich melden. In seltenen Fällen wenden sich auch die Kinder und Jugendlichen direkt an den Kinderschutzdienst.

Aber auch das Jugendamt schaltet den Kinderschutzdienst ein, wenn beispielsweise der Verdacht auf sexuellen Missbrauch besteht. „Die Kinderschutzdienste unterstützen uns in unserer Fallarbeit sehr“, erklärt Thomas Bader, Leiter des Jugendamtes im Rhein-Pfalz-Kreis. Die Kinderschutzdienste seien nicht mit „Jugendamt belegt“, sondern eine neutrale Stelle, wo sich Menschen eher öffnen.

Im großen Spielraum finden dann Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen oder den Menschen aus ihrem Umfeld statt. Da Kinder oft nicht über ihre Probleme sprechen können oder wollen, sei es, weil sie noch zu klein sind oder weil es ihnen zu schwer fällt, spielen die Mitarbeiter des Kinderschutzdienstes viel mit ihnen, erklärt Caritas-Mitarbeiter Diplom-Psychologe Olaf von Knobelsdorff. So können sie in Rollen schlüpfen, sei es beim Spiel mit den kleinen Figuren auf einem Sandkastentisch oder mit den größeren Handpuppen. Auch mit den großen Schaumstoff-Bausteinen lassen sich Situationen nachspielen. „Durch das Spielen zeigt das Kind seine inneren Themen nach außen“, erklärt von Knobelsdorff.

Er erzählt von Fällen, in dem er mit einem Kind eine Situation so oft aus verschiedenen Blickwinkeln durchgespielt hat, bis es für das Kind gut war, eine „innere Heilung“ erfolgt war. In manchen Fällen dauert das vielleicht nur ein halbes Jahr, in anderen begleiten von Knobelsdorff und seine Kollegen die Kinder und Familien über zwei bis drei Jahre. „Wir machen allerdings keine Therapie, sondern beraten und bieten Präventionsarbeit an“, betont der Psychologe.

2019 hat der Kinderschutzdienst des Caritas-Zentrums Speyer insgesamt 115 Kinder und die Personen in ihrem Umfeld begleitet. 60 Prozent der Fälle kamen aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, 40 Prozent aus der Stadt Speyer. In 43 Fällen handelte es sich um sexuelle Gewalt, gefolgt von seelischer Gewalt (38), körperlicher Gewalt (31) und Vernachlässigung (11). Knapp 40 Prozent der Ratssuchenden hatte einen Migrationshintergrund, in knapp 30 Prozent der Fälle bezog die Familie Arbeitslosengeld I oder II.

Wichtig zu wissen: das Angebot ist für die Hilfesuchenden kostenfrei und die Kinderschutzdienste unterliegen der Schweigepflicht, auch gegenüber dem Jugendamt. Die Schweigepflicht wird nur dann aufgehoben, wenn ein akuter Fall von Kindeswohlgefährdung vorliegt. Wenn nötig stellen die Mitarbeiter des Kinderschutzdienstes auch den Kontakt zu anderen Beratungsstellen wie Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung oder auch Suchtberatung des Caritas-Zentrums Speyer her.

Kinderschutzdienste gibt es nur in Rheinland-Pfalz. Sie haben verschiedene Träger. Für den Rhein-Pfalz-Kreis, Speyer und Frankenthal hat das Caritas-Zentrum Speyer die Trägerschaft übernommen. Vor 30 Jahren wurden die ersten Kinderschutzdienste in Landau und Trier gegründet. 2006 entschloss sich das Caritas-Zentrum Speyer den Kinderschutzdienst anzubieten. Zwei Jahre später wurde die Außenstelle in Limburgerhof im Dachgeschoss des Mehrgenerationenhauses in der Jahnstraße eröffnet. 2019 kündigte die Gemeinde Limburgerhof die Räume, da sie für die Erweiterung des Kindergartens benötigt wurden. Die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius bot darauf hin Räumlichkeiten an. Die Lage sei sehr günstig, direkt in Nachbarschaft des Kindergartens und der Bücherei, erklärte Dekan Frank Aschenberger. So würde niemand mitbekommen, dass Familien den Kinderschutzdienst aufsuchen.

Der Kreisverwaltung war es sehr wichtig, den Standort Limburgerhof zu erhalten, da er relativ zentral im Kreis liegt und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist, erklärte die Kreisbeigeordnete Bianca Staßen (SPD).

Text und Foto: Christine Kraus für den Caritasverband für die Diözese Speyer